Drei Studierende, eine große Chance: ein Jahr forschen an der Columbia University
Ein Forschungsjahr an einer der renommiertesten Universitäten der Welt: Kim Becker, Max Boeck und Tim Lempfer, Studierende der Medizinischen Fakultät der TU Dresden, verbrachten ein Jahr am Columbia University Irving Medical Center in New York – ermöglicht durch ein neues internationales Austauschprogramm.
„Es wäre blöd, wenn du es nicht probierst.“
Mit dieser Überlegung reichte Kim Becker, Studentin des Modellstudiengangs MEDiC an der Medizinischen Fakultät der TUD, im Sommer 2024 ihre Bewerbung für das erstmals an der Universität ausgeschriebene Promotionsstipendium an der renommierten Columbia University in New York ein. Große Chancen rechnete sie sich nicht aus; doch die kleine, die es gab, wollte sie unbedingt nutzen.
Vom Bewerbungsprozess zum Laboralltag
Die Möglichkeiten, während eines Medizinstudiums ins Ausland zu gehen, sind aufgrund des besonderen Studienaufbaus, der Zulassungskriterien und der notwendigen Sprachkenntnisse rar. Die meisten Studierenden können erst im Praktischen Jahr (PJ), also im 11. und 12. Semester, Auslandserfahrung sammeln. Die Aufnahme der Medizinischen Fakultät der TUD in das International Collaboration and Exchange Program (ICEP) der Columbia University gibt ihnen diese Gelegenheit nun bereits in früheren Semestern. Der Austausch wurde durch Prof. Ursula Staudinger, Rektorin der TUD, und Anette Wu, Associate Professor an der Columbia University, initiiert.
Das ICEP-Programm ermöglicht die internationale Zusammenarbeit von Medizinstudierenden: 40 Universitäten aus fünf Kontinenten sind beteiligt, darunter fünf aus Deutschland. Normalerweise qualifizieren sich Studierende erst nach der erfolgreichen Teilnahme am Online-Programm für einen Promotionsplatz. Aufgrund der erstmaligen Teilnahme erhielt die Medizinische Fakultät der TUD 2024 jedoch die Möglichkeit, direkt drei Promotionsplätze für das Columbia University Irving Medical Center zu vergeben.
Max Boeck war im Nowak Lab tätig.
In einem intensiven Auswahlprozess mit 15 Kandidatinnen und Kandidaten setzten sich Kim Becker, Max Boeck und Tim Lempfer durch. Im September 2024 erhielten sie die Zusage für einen einjährigen Aufenthalt vor Ort.
Ein Jahr, das bleibt
„Mit der Zusage habe ich begonnen, mich in die Labore einzulesen. So wurde die vor mir liegende Arbeit schnell greifbarer“, erzählt Max. Bereits im Herbst hatte er ein Aufnahmegespräch mit seinem Professor vor Ort und konnte sich anschließend den übrigen Vorbereitungen widmen. Tim musste sein eigentlich favorisiertes Labor hingegen noch einmal wechseln, weil sich herausstellte, dass das Projekt auf zwei Jahre angelegt gewesen wäre: „Diese Verpflichtung wollte ich zu diesem Zeitpunkt nicht eingehen.“ Alle drei stellten ohnehin fest, dass bei der ersten Laborwahl weniger das Thema als eine gute Betreuung zählt. „Wenn die nicht stimmt, ist der Output einfach nicht gut“, bringt es Kim auf den Punkt. Sie konnte daher gut damit leben, ein Thema zu bearbeiten, das nicht ganz ihrem Interessengebiet entsprach, aber die Begeisterung für die Forschung durch ein „tolles Umfeld, super Mentoren und viel selbstständige Arbeit“ nachhaltig weckte.
Kim Becker forschte im Creusot Lab.
Die Formalitäten für das Visum und die Wohnungssuche erwiesen sich als deutlich langwieriger. Genau wie die Stipendiensuche. Ein Jahr in New York kostet etwa 30.000 Dollar. Doch viele potenzielle Geldgeber fördern keine Medizinstudierenden, insbesondere nicht für das Schreiben von Doktorarbeiten während des Studiums. Die Medizinische Fakultät unterstützt hier nach Kräften. So gelang es, für Kim und Tim als MEDiC-Studierende über das Klinikum Chemnitz eine finanzielle Förderung zu erhalten.
Zurück in Dresden – mit neuen Perspektiven
Am Ende war der Aufenthalt jeden einzelnen Dollar wert: Die Stadt, die Menschen, die Vielfalt und vor allem die Möglichkeit, mit außergewöhnlichen Menschen zusammenzuarbeiten, bringen die drei ins Schwärmen: „Es war ein hohes Arbeitspensum, aber wir haben unglaublich inspirierende Forscherinnen und Forscher kennengelernt und durften so vieles ausprobieren.“ Auch über sich selbst haben sie viel gelernt: „Es erdet und macht bescheiden, wenn man in diesem internationalen und motivierten Umfeld arbeiten darf. Man schafft viel mehr, als man sich vorher zugetraut hat“, sagt Kim.
Zurück in Dresden und Chemnitz sind jetzt ihre wichtigsten Ziele, das Studium zu beenden und die an der Columbia begonnene Doktorarbeit voranzutreiben. Außerdem haben die drei ein eigenes ICEP-Chapter in Dresden gegründet, um die neuen Jahrgänge mit ihrem Erfahrungsschatz bestmöglich auf die Zeit in den USA vorzubereiten.
Denn das ICEP-Programm (International Collaboration and Exchange Program) der Columbia University und die Aufenthalte an der Columbia sowie der Yale University werden in den kommenden Jahren weiter ausgebaut. Der Auswahlprozess für 2027 hat bereits begonnen. Für Kim, Max und Tim ist es die Chance, im engen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu bleiben und ein Stück New York nach Sachsen zu holen.
Tim Lempfer arbeitete im Zorn Lab.
„Es erdet und macht bescheiden, wenn man in diesem internationalen und motivierten Umfeld arbeiten darf. Man schafft viel mehr, als man sich vorher zugetraut hat.“
Kim Becker (24) arbeitete im Creusot Lab, dort erforscht das Team die Entstehung, Prävention und Behandlung von Typ-1-Diabetes. Das Team entwickelt neue therapeutische Ansätze zur Wiederherstellung der Immuntoleranz und testet diese in verschiedenen Mausmodellen. Betreut wurde sie von Prof. Karsten Kretschmar (CRTD) und Prof. Remi Creusot (Columbia University).
Max Boeck (24) war im Nowak Lab tätig, das sich auf die Xenotransplantation, also die Übertragung von Geweben oder Organen zwischen verschiedenen Spezies, konzentriert. Ziel seines Projekts ist es, das angeborene Immunsystem und insbesondere die Rolle von Makrophagen in einem xenogenen Umfeld zu untersuchen. Besonders spannend fand er die enge Verzahnung von Grundlagenforschung mit praktischer Arbeit am Tiermodell. Betreuung: Prof. Barbara Ludwig (MK3) und Prof. Greg Nowak (Columbia University).
Tim Lempfer (23) arbeitete im Zorn Lab mit Fokus auf Herz- und Lungentransplantationen. Dort untersuchte er in verschiedenen Projekten die Mechanismen, die zur Abstoßung eines Transplantats führen können; von zentralem Interesse waren polyreaktive Antikörper. Nach vier Monaten ergab sich ein negatives Resultat in einem Projekt, woraufhin er sich neu orientieren musste. Tim lernte verschiedene Techniken und würde ebenfalls gern wieder ins Labor zurückkehren. Betreuung durch Marc Schmitz (Institut für Immunologie TUD) und Prof. Emmanuel Zorn (Columbia University).
Internationale Programme an der Medizinischen Fakultät der TUD:
(Alle Programme im Überblick)
- Austausch während des Praktischen Jahres (Chirurgie oder Innere Medizin) in Japan, Australien und Südkorea
- Erasmus+ für Famulanten
- Zürich — MEDIS — Metabolic and Endocrine Drivers of Infection Susceptibility (2025)
- King's College — Risks and Pathomechanisms of Affective Disorders
- King's College — Immunological and Cellular Strategies in Metabolic Disease